Bezahlmodelle von Apps in der Zukunft

Nachdem in den vergangenen Tagen zwei weitere bekannte Apps (AirMail & PDF Expert) zum Abo-Modell gewechselt sind, habe ich mir ein paar Gedanken zu den Bezahlsystemen und der zukünftigen Entwicklung des App-Markts gemacht.

Die aktuellen Bezahlmodelle sind vielfältig und haben jeweils Vor- und Nachteile.

Gratis Apps (ohne In-App-Käufe)

Zum einen gibt es viele Apps „gratis“, dass Problem hierbei ist, dass hinter jeder App Arbeit steckt und die Entwickler in den meisten Fällen Geld verdienen wollen und müssen. Das tun die meisten auch, indem Sie entweder Werbung integrieren und/oder Nutzerdaten sammeln, analysieren und verkaufen. Viele dieser Apps geben dabei leider nicht offen und transparent an, wie sie sich finanzieren und was mit den eigenen Daten geschieht.

Gratis Apps mit In-App-Käufen

Vor allem bei Spielen hat sich auch die Möglichkeit der in-App-Käufe etabliert. Das hat allerdings zur Folge, dass Spiele so gestaltet und ausbalanciert werden, dass man ab einem gewissen Punkt nur noch weiterkommt, wenn man echtes Geld investiert.

Bei normalen Apps ermöglicht der In-App-Kauf hingegen eine eingeschränkte Testversion gratis bereitzustellen, wenn der Benutzer dann vom Produkt überzeugt ist, kann er die Vollversion über einen einmaligen In-App-Kauf bequem freischalten.

Einmal-Zahlungs-Apps

Die klassische Variante des App-Kaufs. Man bezahlt einmalig einen gewissen Betrag, meist im einstelligen Euro-Bereich, und kann dann die App auf Dauer ohne weitere Kosten nutzen. Wie lange diese Version allerdings mit Updates versorgt wird und an neue Geräte oder Betriebssysteme angepasst wird, ist für den Kunden meist aber unklar.

Neue Version – Neuer Kauf

Einige Apps erscheinen nach einigen Monaten oder Jahren in einer neuen Version, welche wieder neu gekauft werden muss. Neue Haupt-Versionen werden meistens parallel zur alten Version angeboten und bieten einige neue Funktionen und Vorteile als Anreiz für ein Upgrade mit. Dies ist ebenfalls eine gängige Variante, die allerdings auch nicht problemfrei ist.

Zum einen weiß man als gewöhnlicher Kunde nicht, wann diese neuen Versionen erscheinen. Es kann also sein, dass man eine App kauft und kurz darauf für die neue Version wieder den Vollpreis zahlen muss um die aktuelle Version verwenden zu können. Einige App-Anbieter umschiffen das Problem, indem sie zur Veröffentlichung einen niedrigeren Preis verlangen, wodurch Bestandskunden, aber auch Neukunden, die Möglichkeit haben, die App günstiger zu erhalten. Im iOS-App-Store wird in seltenen Fällen auch mit App-Bundles Bestandskunden ein günstigerer Upgrade-Preis angeboten. Dies ist den meisten Benutzern allerdings nicht bekannt und auch nicht intuitiv von Apple integriert. Die letzte Möglichkeit Bestandskunden einen reduzierten Preis anzubieten ist die Erkennung der alten Version, hier prüft die neue App ob die vorige Version gekauft wurde und bietet, zumeist über einen vergünstigten In-App-Kauf, die neue Vollversion an.

Abos

Der Trend der vergangenen Monate geht allerdings hin zu Abo-Modellen. Dies bietet den Entwicklern einige Vorteile, da ein konstanter und regelmäßiger Cash-Flow entsteht. Im Idealfall können die Entwickler freier arbeiten ohne durch Deadlines für neue Versionen getrieben zu werden. Sobald neue Funktionen fertig sind, können diese umgehend in die App integriert werden und werden nicht mehr für eine neue Version zurückgehalten.

Apple unterstützt die Entwickler bei einem Wechsel zum Abo-Modell finanziell. Die Abo-Gebühren des ersten Jahres werden 70 zu 30 zwischen Entwickler und Apple aufgeteilt genau wie bei einem Einmal-Kauf, ab dem zweiten Jahr sinkt Apples Anteil dann allerdings auf 15 %.

Viele fragen sich was Apple für diese Umsatzbeteiligung von 15 bzw. 30 % leistet. Apple übernimmt die Bereitstellung in seinem AppStore, prüft und speichert die App hierfür auf eigenen Servern und stellt diese weltweit bereit, zudem übernimmt es die komplette Abrechnung mit den Endkunden, inklusive Stornierungen und Rückerstattungen.

Leider ergeben sich gerade für die App-Benutzer allerdings mehrere Nachteile. Die aktuellen Fälle zeigen dies leider deutlich und es fängt bereits mit der Umstellung auf das Abo an. Hier gibt es starke Unterschiede wie mit Bestandskunden umgegangen wird.

Airmail hat seine bisherige App ohne große Kommunikation mit den Kunden in eine Abo-App umgewandelt, Benutzer die die App gekauft hatten, werden nach einem Update mit der „freudigen“ Nachricht begrüßt, dass einige bestehende Funktionen von nun an ein Abo voraussetzen. Kleiner Schmankerl für die Bestandskunden, wenn sie das Abo abschließen bekommen sie 4 Monate Laufzeit gratis danach gehts mit 9,99 € pro Jahr weiter, der Einmal-Kauf lag zuvor bei rund 5 €. Ich habe Airmail im Februar 2016 gekauft und über 3 Jahre genutzt, ein wahres Schnäppchen im Gegensatz zu den jetzt aufgerufenen 9,99 € pro Jahr.

Die Preisgestaltung selbst ist ein weiterer Kritikpunkt, es macht den Eindruck als wollen die App-Anbieter zur Zeit austesten was maximal herauszuholen ist. Anders lassen sich zumindest mir die teilweise absurden Preise und auch große Preisänderungen in relativ kurzer Zeit nicht erklären.

Als Beispiel die Podcast App Castro, die ich täglich meist mehrere Stunden verwende, dort habe ich im Mai 2018 Castro Plus abonniert für 8,99€ pro Jahr, hauptsächlich um die Entwickler einfach zu unterstützen. Vor kurzem staunte ich nicht schlecht, der aktuelle Jahrespreis liegt nun bei 18,99€ – eine Verdoppelung des Preises innerhalb eines Jahres. Ich würde wahrscheinlich auch diese 18,99€ gerne zahlen, aber was ist mit Leuten die vielleicht nicht so exzessiv Podcasts hören wie ich?

Stark abweichende Monats- und Jahrespreise

Hier sollte man auch aufpassen, teilweise sind die Monatspreise so teuer, dass der Preis von 2 – 3 Monaten bereits den Jahres-Abo-Preis übertrifft.

Je nach Nutzungsverhalten und der eigenen finanziellen Situation hat jeder Nutzer eine andere Zahlungsbereitschaft.

Wenn man nur 10 PDFs über das Jahr verteilt bearbeitet, ist man wahrscheinlich nicht bereit über 50 € dafür zu bezahlen wie es sich die Entwickler von PDF Expert wünschen. Die Grundversion ist nun zwar gratis, allerdings setzen viele Funktionen ein Abo voraus, welches 52,99 € pro Jahr kosten soll. Der Funktionsumfang unterscheidet sich dabei nur minimal zur Version 6 welche nur 20,98 € (10,99 App + 10,99 In-App-Kauf) als Einmalkauf kostete.

Grundsätzlich sollte eine App überhaupt erstmal für ein Abo-Modell geeignet sein.

Für mich persönlich ist ein Abo zu rechtfertigen wenn einige oder mehrere der folgenden Punkte zutreffen:

  • Es erscheinen (regelmäßig) neue Inhalte
  • Es werden (regelmäßig) sinnvolle neue Funktionen hinzugefügt
  • Der Anbieter betreibt eine Serverumgebung, die für die App erforderlich ist
  • Der App-Anbieter verwaltet meine vertraulichen und/oder persönlichen Daten
  • Ich nutze die App sehr intensiv und/oder sie bringt mir dauerhaft einen großen Vorteil

Sollten diese Punkte nicht zutreffen, ist meine Bereitschaft ein Abo abzuschließen eher gering.

Beispiel 1Password
Ich würde niemals einen cloudbasierten Passwortmanager verwenden für den ich nicht bezahle. Wie könnte ich denn bei einem Gratis-Angebot verlangen, dass der Anbieter vertraulich und sicher mit meinen Daten umgeht?

Eine Schreib-App wie Ulysses kostet 39,99€ pro Jahr, diese App nutzt den iCloud-Speicher des Nutzers um die erstellten Texte zu speichern. Der Anbieter muss also keine Server für die Nutzerdaten vorhalten, die sicher und zuverlässig betrieben werden müssen. Das Programm hat einen bestimmten Funktionsumfang, neue Funktionen sind eher selten. Wenn ich mir den Versionsverlauf des letzten Jahres anschaue finde ich dort viele Optimierungen, Fehlerbehebungen und Anpassung an neue Geräte. Dies ist alles wichtig aber ist das 39,99 € pro Jahr wert?

Preis-/Leistung

In den aktuellen Fällen ergibt die Preisgestaltung nicht viel Sinn, vor allem wenn man die großen Computer-Software-Schmiden als Vergleich heranzieht. Zum Beispiel Microsoft Office und Adobe Creative Cloud, früher waren diese Produkte so teuer, dass kaum ein Privatanwender sich diese leisten konnte oder wollte. Durch den Wechsel auf das Abo-Modell haben diese die Preise sogar gesenkt. Zusätzlich haben sie auch neue kompatible Apps für Smartphones und Tablets herausgebracht und bieten zudem noch Online-Dienste bspw. Speicherplatz innerhalb des Abos an. Daher kann ich nicht verstehen wie App-Entwickler Programme mit einem begrenzten Funktionsumfang und teilweise auch ohne eigene Serverdienste Jahres-Nutzungspreise von 30,00 € – 60,00 € veranschlagen. Welches zudem einem vielfachen des Preises der früheren Einmal-Kauf-Versionen entspricht. Im Vergleich dazu kostet Office 365 für Privatanwender 69,00 € bis 99,00 € im Jahr.

Die Ursache der Abos

Die Smartphone-Verkäufe stagnieren seit einigen Quartalen und sind teils sogar rückläufig. Apps die bisher nur einen Festpreis verlangt haben, bekommen nun Probleme da immer weniger neue potentielle Kunden dazukommen. Wenn Neukunden ausbleiben, müssen anderweitig stetige Einnahmen generiert werden, um die Firma oder auch den Einzel-Entwickler über Wasser zu halten. Ein Abo-Modell ermöglicht dies, indem es Kunden bindet und regelmäßige Einnahmen erzeugt.

Dieser Umstand ist für viele neue App-Entwickler aber auch eine große Chance, ein gutes Beispiel ist die Software-Schmiede Serif die Kreativ-Programme in direkter Konkurrenz zu Adobes CreativeCloud anbietet. Die Apps stehen hier allerdings als Einmal-Kauf-Apps für Macs und iPads zu Verfügung. Wie lange dieses Modell für Serif funktioniert wird sich zeigen, denn auch hier ist der Markt an potenziellen Neu-Kunden irgendwann erschöpft. Ob es dann kostenpflichtige Versions-Upgrades oder ein Abo-Modell geben wird, wird die Zukunft zeigen.

Das größte Problem der Abos ist allerdings, dass immer mehr bekannte Apps darauf wechseln. Wenn man dies mit den horrenden Preisen multipliziert, sollte jeder Entwickler einsehen, dass das in dieser Form keine langfristige Lösung sein kann. Denn wenn alle App-Entwickler nur noch Abos verkaufen, werden sich auch die zahlungswilligen Apple-Kunden genau überlegen, welche Apps sie noch nutzen und wo es vielleicht günstigere Alternativen gibt. Die Folge hiervon sind dann wieder weniger Abos, das kann dann nur noch kompensiert werden, wenn man noch mehr an der Preisschraube dreht.

Erwähnen sollte man zudem auch noch Set App, diese bieten ein Abo-Bundle mit Apps von verschiedenen Herstellern an. Dieses kostet je nach Zahlungszeitraum und Anzahl der Geräte 8,99 – 19,99 $ (ohne MwSt.) pro Monat beinhaltet aber auch viele bekannte Apps. Man sollte dies im Auge behalten, gerade wenn man viele Apps nutzt kann man hier deutlich sparen.

tl;dr

Wenn das Abo-Modell zukunftsfähig sein soll, sollten die App-Ersteller die folgenden Punkte beachten:

  • Klar kommunizieren wann und wieso das Bezahlmodell geändert wird.
  • Erklären was man von dem Abo, auch langfristig, erwarten kann.
  • Bestandskunden einen leichten und freiwilligen Umstieg in ein Abo anbieten.
  • Moderate Preise verlangen, wenn jemand eine App für 5 € gekauft hat und diese jahrelang nutzen konnte, kann man keinen Jahrespreis verlangen der einem Vielfachen hiervon entspricht.
André Verfasst von:

technikbegeistert, beruflich Windows-/Linux-Admin, privat ein Apple-Fan. Auch interessiert an: American Football, Fotografie & Lego ;-)